Hofladen oder Hof Laden?
Sprache verändert sich ständig. In den letzten Jahren verstärkt sich der Trend, zusammengesetzte Nomen zu trennen. Plötzlich finden wir Oster Eier im Hof Laden und laden zum Oster Brunch ein. Ist das gut? Oder falsch? Eine Einordnung.
Am Anfang haben sich die getrennten Wörter als Fehler angefühlt: Da hat jemand schnell ein Schild gebastelt und war der Rechtsschreibung nicht ganz mächtig - nicht schlimm. Es hiess “Altpapier Kiste” oder “Herbstmode Aktion” Dann kamen die ersten Firmennamen mit getrennten Nomen, die eigentlich eins wären: Damen Coiffeur, Physiotherapie Praxis, Fitness Coach. Parallel hat die schnelle Welt der Social Media Posts den Wert korrekter Rechtschreibung im Eiltempo reduziert. Man will und muss einfach verstanden werden. Ein Lacher ist wichtiger als Perfektion, die Zielgruppenansprache muss passen - Regeln hin oder her. Solange das Publikum versteht und reagiert, ist es gut.
Das sind gültige Argumente. Die zusammengesetzten Namenwörter, auch Komposita genannt, machen es beispielsweise Menschen mit weniger guten Sprach- oder Lesekenntnissen schwer, den Inhalt zu erfassen. Das gilt besonders für lange Komposita, für die das Hochdeutsche berühmt und berüchtigt ist: Der Pensionskasseneintrittsbescheid, das Grünabfallentsorgungsreglement oder die Kindergartenausflugsbegleitperson. Wir geben zu: Das sind Monster. Sie mögen im juristischen und behördlichen Kontext ihre Berechtigung haben, aber man kann und soll das in der Kommunikationsarbeit verständlicher formulieren. Machen wir aus dem Kindergartenmonster mal etwas anderes:
”Begleitperson Kindergartenausflüge” (die wahrscheinlichste Variante, die wir auf irgendeinem Zettel antreffen werden)
”Kindergartenausflugs-Begleitperson” (Ein Bindestrich als Zwischenlösung zwischen Komposit und kompletter Trennung)
”Begleitperson für Kindergartenausflüge” (hier haben wir mit einer Präposition die Beziehung zwischen den Wörtern neu geklärt)
”Begleitung für Kindergartenausflüge” sprechen (ein Wort weniger - eine Substantivierung mehr - ob das ein Gewinn ist?)
Welche Varianten sind gut? Welche erträglich? Und welche ein Unding? Ist die Trennung des zusammengesetzten Nomens eine valable Variante, die wir auch im professionellen Kontext anwenden oder bleibt es ein Fehler? Sprachlich ist die Sache aktuell klar: Es ist falsch. Das kann sich ändern, denn wir passen unserer Regeln mit der Zeit an den Sprachgebrauch an. Gefühlsmässig ist es bereits nicht mehr so klar: Man stört sich immer weniger daran, weil wir es immer öfter sehen. Redaktionell bleibt die Frage offen. Es wird gemacht. Wir sehen Informationsplakate von Behörden mit Titeln wie “Weg Sperrung” oder Posts mit Thema “Senioren Angebot”. Die Massnahme zugunsten einer einfachen, klaren Botschaft ist verständlich, die Lösung verlockend. Dennoch: Je nach Zielpublikum wirkt der vereinfachende Umgang mit Sprache beliebig und kann ein Gefühl von Babysprache wecken - man fühlt sich nicht ganz ernstgenommen.
Dazu kommt: Die Onlinekommunikation erlebt gerade einen unglaublichen Aufwind in Sachen Rechtschreibung dank dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Schluss mit “egal wie”, die KI kommt mit gewählten Ausdrücken und eindrücklichen Formulierungen daher. Inkorrektes wird darum in den nächsten Jahren wieder vermehrt auffallen. Den Entscheid bewusst zu fällen, das ist die Aufgabe der Kommunikationsleute, der Redaktion: Die Form ist Teil der Botschaft wie das Instrument Teil der Musik ist. Es muss passen. Viel eleganter ist es ohnehin, wenn wir die Komposite in aktive, konkrete Formulierungen verwandeln können - im Fall des Kindergartenmonsters ein Leichtes:
Ausflug: Wir suchen Helfer (Gendern je nach Policy des Unternehmens)
Wir suchen zwei Personen, die uns am 10. April auf dem Ausflug des Kindergartens begleiten können. Haben Sie Zeit?
Zurück zu den Ostereiern im Hofladen: Aus redaktioneller Sicht ist das künstliche Trennen von einfach zusammengesetzten Nomen selten angebracht. Wir sollten zum Osterbrunch einladen und Ostereier tütschen. Auseinander sind sie danach von selber.